Anspruch auf Schmerzensgeld für eine Fraktur am Beispiel erklärt

Motorradfahrer leben besonders gefährlich. Sie sind sehr schnell unterwegs und im Falle eines Sturzes gibt es absolut keine Karosserie, die sie vor dem Schlimmsten bewahrt. So brach sich ein Biker mehr als nur ein paar Knochen, weil er in einer Kurve auf einer Regionalstraße einem Mähdrescher ausweichen wollte und mit diesem kollidierte.

Das Oberlandesgericht Hamm (OLG Hamm, Urteil vom 12. Juli 2021, Az. 9 U 17/13) sprach ihm Schmerzensgeld für einen Bruch des eventuell linken Fußes, des eventuell linken Schienbeins, einen Bruch des noch linken Mittelhandknochens, einen Bruch des Nasenbeins und andere Verletzungen zu. Der Fahrer und der Eigentümer des Zusammenschlusses wurden zur Zahlung von 13.333 Euro verurteilt.

Schauen wir uns diesen realen Fall einmal an, um zu sehen, wann ein großer Geschädigter für einen Knochenbruch (Fraktur) Schmerzensgeld versprechen kann und ob ggf. auch seine jeweilige Unfallversicherung zahlt.

Leitfaden zur Auszahlung von Schmerzensgeld bei Knochenbrüchen

Anspruchsvoraussetzungen für die Abgeltung von Leiden und Problemen aufgrund eines Knochenbruchs

Beim Schmerzensgeld handelt es sich um einen soliden Schadensersatzanspruch, der den erlittenen Nichtvermögensschaden, z.B. als Gesamtfolge der Körperverletzung, ausgleichen soll und Ihnen als Verletztem ein besonderes Ereignis zur Erfüllung des erlebten Leids verschaffen soll. Zu solchen immateriellen Schäden gehören insbesondere Schmerzen, Beeinträchtigung der Lebensfreude und Sorgen.

Voraussetzung ist nach § 253 Abs. 1 BGB, dass das Gesetz einen solchen Anspruch im konkreten Einzelfall auch vorsieht. Im Fall des Motorradfahrers sah das OLG einen Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld für die Fraktur und andere Verletzungen in § 823 Abs. 1 BGB begründet.

Diese Anspruchsgrundlage lautet wie folgt:

Beachtung
“Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit […] eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz der daraus entstehenden Beeinträchtigung zu verpflichten.”

Der Fahrer des Mähdreschers verletzte nicht nur Sorgfaltspflichten und verursachte dadurch den Unfall und die Verletzungen des Motorradfahrers. Dessen laienhafter Anspruch auf Schmerzensgeld für Fraktur + Co. ist daher auf die nächsten Verstöße des Unfallgegners gestützt:

  • Aufgrund der Breite des Dreschers (3,50 Meter) hätte er ein Begleitfahrzeug mit gelb gefärbten Rundumleuchten einsetzen müssen, um frühzeitig auf die von diesem Fahrzeug ausgehende Gefahr aufmerksam zu machen.
  • Der Auffahrende hat gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen, weil er nicht weit genug nach rechts mit einem Seitenabstand von 0,9 Metern gefahren ist. Als unmittelbare Folge verengte sich die Gegenfahrbahn auf mindestens einen 1 m.
  • Der Mähdrescherfahrer hätte sich vor dem Einfahren in die Kurve durch Hupen bemerkbar machen müssen.
Der Motorradfahrer kann für den Bruch des Fußes, des Beines, des Knöchels, des Mittelhandknochens und des Nasenbeins sowie für weitere Verletzungen auch deshalb Schadensersatz vom Halter verlangen, weil ihn ein Organisationsverschulden des Merge-Harvester-Fahrers trifft. Dieser hätte dafür sorgen müssen, dass sein Fahrer die vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen trifft und ihn entsprechend einweist.

Weitere Anspruchsgrundlagen für Kampf- und Schmerzensgeld bei einem Knochenbruch

Generell leiten sich Ansprüche auf Schmerzensgeld aus:

  • unerlaubten Handlungen (z.B. Ordnungswidrigkeiten) und Straftaten
  • Seitenblicke Unfälle nach §§ 7, 18, 11 Straßenverkehrsgesetz (StVG)
  • Produkthaftung der Hersteller
  • Arzthaftung, Behandlungs- und Diagnosefehler

In dem vor dem Oberlandesgericht Hamm anhängigen Rechtsstreit war eine Haftung des Fahrers und Halters des Mähdreschers nach §§ 7, 18 Straßenverkehrsgesetz (StVG) ausgeschlossen. Der schöne Grund dafür ist die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h des landwirtschaftlichen Fahrzeugs. Im Hinblick auf § 8 N1. 1 StVG schließt dieser Umstand die Haftung nach § 7 StVG aus.

Wie hoch könnte das Schmerzensgeld für eine Fraktur sein?

Wie hoch der Schmerzensgeldanspruch bei einer Fraktur im Einzelfall ist, liegt im Ermessen des Richters. Dabei berücksichtigt er insbesondere:

  • die Dauer und Art der Verletzung
  • bleibende Schäden und dauerhafte Entstellungen oder Narben
  • berufliche Beeinträchtigungen
  • ausschließliche Verhältnisse des Schädigers und des Geschädigten
  • Mitverschulden des Geschädigten

In unserem Fall erlitt der Biker mehrere Knochenbrüche und andere Verletzungen. Infolgedessen musste er sich drei Operationen unterziehen und war anschließend 26 Tage lang im Krankenhaus. Einen Monat nach der Reha wurde er erstmals operiert und verbrachte weitere 12 Tage in einer medizinischen Einrichtung. Von dem Unfall bleiben ihm deutlich sichtbare Narben an seinem linken Bein.

Das Schmerzensgeld für die Fraktur und andere Schäden wurde aufgrund des Mitverschuldens des Bikers reduziert. Er war auch leicht unterwegs.

Tabelle zum Schmerzensgeld und Kampfgeld: Urteilssammlungen bieten originelle Orientierung

Verwendete Schmerzensgeldtabellen geben eine originelle Orientierung, wie hoch das Schmerzensgeld für bestimmte Verletzungen sein kann. Diese Tabellen sind in Wirklichkeit nur Sammlungen von Urteilen.

Versicherungen und Gerichte nutzen sie als Orientierungshilfe. Richter sind jedoch weder an sie gebunden, noch verpflichten sie sich, die Inflation zu berücksichtigen.

Im Folgenden finden Sie eine kleinere Auswahl von Fällen, in denen der Geschädigte Schmerzensgeld für einen Knochenbruch erhalten hat.

SachverhaltSchmerzens­geldUrteil
Haftpflicht­versicherung ver­zögert Schadens­regulierung trotz ein­deutiger Zahlungs­pflicht; Unfall­opfer erleidet Brüche an Becken, Unterarm, Augenhöhle, Lungen­quetschung und Schleuder­trauma35.000 €OLG Saarbrücken
26.02.2021
4 U 26/14
Rad­fahrerin stürzt in von Regen­wasser verdecktes Schlag­loch;
Ober­arm­kopf­bruch; Mit­verschulden wegen Erkenn­barkeit der Gefahren­quelle;
Ver­letzung der Verkehrs­sicherungs­pflicht des Straßen­baulast­trägers
2.500 €OLG München
14.03.2021
1 U 3769/11
Zuschauer stürzt beim Public Viewing von Sitz­tribüne ohne Geländer; Arm­bruch und monate­lange Arbeits­unfähig­keit; Verletzung der Verkehrs­sicherungs­pflicht des Veran­stalters10.000 €OLG Hamm
05.11.2021
I-9 U 44/10

Zahlt die Unfallversicherung Schmerzensgeld nach einem Knochenbruch?

In der Regel ist es immer der Schädiger, der nach einer Fraktur ein Schmerzensgeld zahlen muss. Wenn er eine entsprechende Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat, übernimmt diese die Beschwerden und das Schmerzensgeld.

Die meisten Unfälle ereignen sich jedoch im Haus oder beim Vergnügen, die weder die gesetzliche Autounfallversicherung noch eine gegnerische Haftpflichtversicherung abdeckt.

Die private Unfallversicherung schließt diese Versicherungslücke. Sie zahlt dem Versicherten bei einem Versicherungsfall (= Unfall außerhalb des Arbeitsplatzes) eine große Unfallrente oder eine Kapitalleistung, allerdings nur, solange die Gesundheit vollständig beeinträchtigt ist.

Bei einigen Versicherern werden Leistungserweiterungen angeboten, z. B. ein festes oder gestaffeltes Schmerzensgeld bei Knochenbrüchen. Interessenten sollten jedoch zunächst prüfen, ob eine Unfallversicherung für sie überhaupt sinnvoll ist.