Handelt es sich beim Schubsen um eine Körperverletzung?

Schubsen: Eine körperliche Auseinandersetzung muss nicht zwangsläufig im Schlimmsten enden. Glücklicherweise verlaufen kleinere Rangeleien in der Regel für alle Beteiligten glimpflich.

Dies soll aber keinesfalls dazu dienen, auch vermeintlich unbedeutende Handlungen zu bagatellisieren. Sei es eine Ohrfeige oder ein Schubs, auch in diesen Fällen könnte man schnell von einer einfachen Tätlichkeit ausgehen.

Doch wann kann ein Schubsen als vorsätzliche Körperverletzung gewertet werden? Und welche Strafe droht im schlimmsten Fall, wenn als Folge des Handgemenges Kosten entstehen?

Ist das Drängeln immer als Körperverletzung zu werten?

Nach § 223 StGB sollten die nächsten Voraussetzungen erfüllt sein, damit der Straftatbestand der (leichten) Körperverletzung erfüllt ist:

  1. Es muss ein Tatbestand der körperlichen Misshandlung oder sonstigen Gesundheitsschädigung vorliegen, bei dem das verletzte Gegenüber eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung erlitten hat. Eine seelische Beeinträchtigung allein reicht nicht aus, wenn sie nicht auch mit erheblichen körperlichen Auswirkungen verbunden ist.
  2. Es muss Vorsatz hinsichtlich der Handlung und ggf. auch der möglichen Folgen vorgelegen haben. Fehlt es daran, kann im Zweifel nicht mehr als eine fahrlässige Körperverletzung anerkannt werden.

Wird eine Person im Rahmen eines geringfügigen Streits geschubst, kommt es auf die Intensität des Vorfalls und die Begleitumstände an, aber auch auf die Motivation desjenigen, der schubst. Jeder vollständige Fall ist anders.

Nachfolgend einige Beispiele, um diesen Fall etwas deutlicher darstellen zu können:

Leichtes Schieben

Schiebt eine Person einen anderen nur leicht von sich weg, ohne dem Geschubsten einen Schaden zuzufügen – wie z.B. Hämatome, blaue Flecken oder ähnliches – ist das Schieben strafrechtlich nicht als Körperverletzung zu werten.

Der Hauptgrund hierfür: Der “Geschädigte” hat durch den Vorfall keine lebenswichtige Gesundheitsschädigung erlitten, so dass dieser Tatbestand gerade nicht erfüllt ist, sondern eher als Bagatelldelikt zu werten ist.

Anders könnte alles bewertet werden, wenn das Opfer stürzt und sich beim Schieben verletzt. Auch wenn es nicht immer praktikabel ist, den Vorsatz in Bezug auf den Verletzten zu beweisen, könnte der Angeklagte die praktischen Folgen seiner Aktivitäten angenommen haben, um sicherzustellen, dass das Schieben als fahrlässige Körperverletzung bestraft werden könnte.

Aggressives Schieben

Bei viel schwereren Auseinandersetzungen kann es schnell anders aussehen. Je erheblich mehr Gewalt der Täter anwendet, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Opfer durch das Schieben selbst gesundheitliche Schäden erleidet. In diesem vollen Rechtsstreit kann das Schieben als vorsätzliche Körperverletzung angesehen werden.

Verfügt der Schubsende jedoch über die Eigenschaft, einen sehr aggressiven Angreifer von sich wegzuschubsen, um sich selbst vor einer denkbaren Gesundheitsschädigung zu schützen, kann dies auch Notwehr sein, so dass ein Verlangen des Schubsens nicht angenommen werden kann.

Diese Darstellungen zeigen, dass ein Schubsen nicht automatisch eine Körperverletzung darstellt. Entscheidend werden die Abläufe der jeweiligen Handlungen sein, die zu berücksichtigen sind. Entsprechende Strafen unterhalb des Strafrechts bedürfen daher in der Regel einer intensiven Betrachtung des Durchschnittsfalles.

Extremer Umstand: zu Tode gestoßen

Diese Überlegung zeigt, wie die Prüfung von Handgreiflichkeiten vom Durchschnittsmenschenfall abhängen kann: Angenommen, zwei Kontrahenten stehen an einer Klippe und beschimpfen und streiten sich.

Einer von ihnen wird so wütend, dass er den anderen so heftig schubst, dass dieser von der Klippe stürzt und stirbt.

Im Folgenden werden Variationen aufgeführt, wie das Schieben hier bestraft werden könnte:

  1. Schieben kann als Körperverletzung mit Todesfolge angesehen werden, wenn die ausführende Person aufgrund des Lustzustandes den auf sie zukommenden Rivalen lediglich von sich wegstoßen wollte, nicht aber dessen Sturz und den Verlust des Lebens beabsichtigte.
  2. Umgekehrt ist eine fahrlässige Tötung anzuerkennen, wenn derjenige, der den Nebenbuhler bedrängt, diesen nur leicht schubst mit dem Ziel, ihn zu distanzieren, der Nebenbuhler jedoch das Gleichgewicht verliert und stürzt. Der Täter hätte zumindest wissen müssen, dass dieser Ausgang durchaus möglich war.
  3. Das Schieben könnte aber auch zu einer Anklage wegen Totschlags führen, wenn der Täter z.B. aus purer Wut seinen Nebenbuhler so sehr schubste, dass dieser die Klippe hinunterstürzte und dabei ebenfalls zu Fall kam.

Damit ist auch für diesen Fall klar, dass pauschale Angaben zur E-Mail-Adresse nicht möglich sind. In jedem Einzelfall sind die Umstände, die Entschlossenheit des Täters, die Intensität der Handlung sorgfältig zu prüfen, um zu entscheiden, ob das Schubsen in der Regel als Körperverletzung, als Bagatelle, als Akt der Eigensicherung oder gar als Tötungsversuch zu werten ist.

Darüber hinaus kann das Schieben manchmal auch andere Tatbestandsmerkmale erfüllen, wie z.B. die Nötigung (§ 240 StGB) oder die Beleidigung für die Dauer eines tätlichen Angriffs (§ 185 StGB). Auch hier ist der Durchschnittsmenschenfall entscheidend.