Was ist eine schwere Körperverletzung?

Strafen­katalog
schwere Körper­verletzungFreiheits­strafe zwischen
1 und 10 Jahren
… minder schwerer FallFreiheits­strafe zwischen
6 Monaten und 5 Jahren
schwere Körper­verletzung mit direktem Vorsatz bezüglich der TatfolgenFreiheits­strafe zwischen
3 und 15 Jahren
… minder schwerer FallFreiheits­strafe zwischen
1 und 10 Jahren
versuchte schwere Körper­verletzung
… Abmilderung (§ 49 Abs. 1 StGB) möglich auf
max. 3/4 der Höchststrafe

Die schwere Körperverletzung wird eine sogenannte Erfolgsqualifikation der Körperverletzung (KV) sein. Dies bedeutet, dass der Grundtatbestand um ein weiteres erschwerendes Tatbestandsmerkmal ergänzt wird, das die Folgeschäden des Opfers – also den Erfolg oder die Folgen der Körperverletzung selbst – besorgt.

Während bei der gefährlichen Körperverletzung die Art und Weise, wie die Tat vermutlich begangen wurde – durch Waffen, Gift etc. – ausschlaggebend für die Strafverschärfung sein könnte, sind die Tatbestandsmerkmale der schweren Körperverletzung nach § 226 StGB bei Vorliegen einer entsprechenden Folge erfüllt. Die konkrete Situation ist vergleichbar mit der Körperverletzung mit Todesfolge, die ebenfalls durch die Körperverletzung mit Todesfolge qualifiziert wird.

Generell kann eine gefährliche Körperverletzung auch eine schwere Körperverletzung verursachen. Das Ausüben der KV mit einer Waffe, Giften und weiteren Merkmalen nach § 224 StGB kann die schweren gesundheitlichen Spätfolgen für das Opfer verursachen. In diesem vollen Fall überwiegen die bekannten Merkmale der schweren Körperverletzung gegenüber denen der gefährlichen Körperverletzung, da sie in der Hierarchie schwerer wiegen und eine kritischere Strafe nach sich ziehen. Im Gegensatz dazu gibt es die schwere Körperverletzung in der juristischen Strategie überhaupt nicht, da der schwerere Tatbestand den geringeren immer überwiegt, auch wenn die Begehung des gefährlichen Delikts ebenfalls Einfluss auf die Strafe haben kann.

Doch wann genau ist eine schwere Körperverletzung strafrechtlich strafbar? An welcher Stelle wird es zur schweren Körperverletzung? Und wird dieses Delikt auch nur auf Antrag strafrechtlich verfolgt? Dies und mehr können Sie in diesem Ratgeber herausfinden.

Schwere Körperverletzung – Definition im Hinblick auf das StGB

Für den Tatbestand der “gefährlichen Körperverletzung” ist das Gesamtergebnis der Handlung von Bedeutung, denn wie bereits erwähnt, ist für die Erfüllung des Straftatbestandes der gefährlichen Körperverletzung das Ergebnis der Verletzung und nicht die Art und Weise der Handlung selbst entscheidend. In § 226 Abs. 1 Nr. 1-3 StGB werden entsprechende zufällige Verletzungen und Spätfolgen des Opfers aufgezählt, die dem Täter den Tatbestand der schweren KV liefern:

  • das Augenlicht auf einem oder beiden Augen, das Gehör, die Möglichkeit zu sprechen oder die Fähigkeit zur Fortpflanzung verliert
  • ein entscheidendes Glied des Körpers dauerhaft verliert oder nicht gebrauchen kann, oder
  • in erheblichem Maße entstellt ist oder dauernd gebrechlich, gelähmt oder einfach geistig behindert ist.

Damit sind gesundheitliche Beeinträchtigungen gemeint, die in erster Linie dauerhaft sind. Sie müssen aber nicht zwangsläufig irreversibel sein, um ihre Schwereausbildung zu rechtfertigen. Heilungsoperationen und Rehabilitationsmaßnahmen sind trotzdem mit einem enormen Aufwand und langwierigen Heilungsmaßnahmen verbunden – die Verletzungen heilen also oft nicht ohne intensive medizinische Betreuung aus.

Ist eine Aufmerksamkeit infolge eines Faustschlages lediglich geschwollen und damit die Sicht meist nur für wenige Tage eingeschränkt, kann in der Regel keine besondere Schwere festgestellt werden. Geht die Schwellung zurück, so erlangt das Opfer in der Regel ohne weitere medizinische Maßnahmen sein Sehvermögen wieder. Der Täter kann zwar wegen Körperverletzung belangt werden, die besondere Schwere, die eine Verurteilung nach § 226 StGB rechtfertigen könnte, ist jedoch nicht gegeben.

Wenn Sie mildernde Umstände finden können, ist auch eine Verurteilung in einem minder schweren Fall möglich. Die Strafe wird dann auf eine Freiheitsstrafe zwischen 6 Monaten und fünf Jahren reduziert. Mildernde Umstände können zum Beispiel vorliegen, wenn die Unfälle des Opfers reversibel sind und nach Einschätzung der Mediziner vollständig ausheilen werden.

Im Allgemeinen ist es möglich, dass die wegen schwerer Körperverletzung verhängte Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Dies bedeutet, dass der Täter die Strafe nicht in einer geschlossenen Anstalt absitzen muss, sondern auf freiem Fuß bleibt.

Die Dauer der Bewährungszeit ist nicht gleich der verhängten Strafe, sondern liegt zwischen zwei und fünf Jahren. In dieser Zeit darf der verurteilte Straftäter keine weiteren Straftaten begehen. Andernfalls kann die Bewährung widerrufen werden und er muss die verhängte Strafe im Gefängnis verbüßen.
Darüber hinaus kann die Bewährungszeit an weitere Bedingungen geknüpft sein. Dazu gehören zum Beispiel der Täter-Opfer-Ausgleich, ein Anti-Aggressionstraining, Drogen- oder Alkoholentzug oder das Fernbleiben von bestimmten Orten. Ein Verstoß gegen Bewährungsauflagen kann schließlich auch zum Widerruf führen und den Verurteilten ins Gefängnis schicken.

Andererseits: Auch die Aussetzung einer Strafe zur Bewährung kann an bestimmte Bedingungen geknüpft sein. Zum einen können nur Strafen bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Zusätzlich kommt es bei der Beurteilung, ob eine Bewährung erfolgen kann, auch auf den Täter selbst an: Ist die zwischenmenschliche Prognose günstig oder ist mit einer Rückfälligkeit zu rechnen? Hat der Täter ein solides Vorstrafenregister?

Beträgt die Strafe hingegen deutlich mehr als zwei Jahre Freiheitsstrafe, ist eine Bewährung in so gut wie allen Fällen nicht möglich und der Verurteilte muss die Strafe im Strafvollzug verbüßen.

Schwere Körperverletzung im Jugendstrafrecht verortet

Jugendliche Straftäter werden durch das Jugendgerichtsgesetz (JGG) wegen ihrer vermuteten Unreife besonders geschützt. Strafen, die über den Zeitraum von zehn Jahren hinausgehen, sind in der Regel nicht zu erwarten, wenn der Täter nach Jugendstrafrecht verurteilt werden soll:

“Das bloße Minimum der Jugendstrafe beträgt 6 Monate, das Maximum fünf Jahre. Handelt es sich bei der Tat definitiv um ein Verbrechen, weshalb im Grundstrafrecht definitiv eine Höchststrafe von mehr als zehn ganz wenigen Jahren Freiheitsstrafe verhängt wird, beträgt die Höchststrafe ein Jahrzehnt. Die Strafrahmen des typischen Strafrechts sind in keinem Fall anwendbar.” (§ 18 Abs. 1 JGG)

Da es sich bei der schweren Körperverletzung – die bald darauf nachzuweisen ist – um ein Offizialdelikt handelt, sind Strafen bis zu 10 Jahren möglich. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der unmittelbare Vorsatz in Bezug auf die Verursachung der Tat bejaht wird. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Strafe für schwere Körperverletzung in der Regel zwischen einem und 10 Jahren liegt, gehen die Bestimmungen des Jugendgerichtsverfahrens dem Strafgesetzbuch nicht vor.

Die Bedeutung des Vorsatzes im Gesamtfall der schweren Körperverletzung

Die Erfolgsqualifikation bei schwerer Körperverletzung hängt auch mit dem Vorsatz zusammen. Allerdings spielt hier der gehandhabte Sachverhalt eine besondere Rolle. Denn der ausdrückliche Vorsatz des Täters im Hinblick auf die schwere Folge der Straftat kann einen besonders strafverschärfenden Einfluss haben.

Um diese Aussage genauer zu verdeutlichen, ist es zunächst wichtig, die juristische Definition des Vorsatzes (lat. dolus) selbst näher zu betrachten. Grundsätzlich soll der Vorsatz an das Wissen und Können des Täters im subjektiven Bereich der Tat anknüpfen. Der Täter begeht also eine vorsätzliche Körperverletzung willentlich und wissentlich. Die Information über die Herbeiführung des Taterfolgs kann jedoch in zahlreichen Abstufungen erfasst werden.

So werden hinsichtlich des Vorsatzes (bei der Begehung der Tat) in der Regel drei zahlreiche Grade unterschieden, die sich aus der Rede von der Kenntnis des Täters ergeben:

  1. Einseitiger Vorsatz (lat. dolus directus) der ersten Stufe = objektiv: Der Täter handelte zielgerichtet und willentlich, um die relevanten Ergebnisse der Straftat herbeizuführen (“zielgerichteter Wille zum Erfolg”). Der Täter wusste genau, was durch sein Handeln für den anderen bewirkt werden konnte und beabsichtigte, genau dieses Ergebnis herbeizuführen.
  2. Direkter Vorsatz zweiter Stufe = Wissentlichkeit: Die Information des Täters wird sich hauptsächlich auf seine Handlung beziehen, nicht unbedingt auf einen Teil des Erfolgs der Tat. Der Täter ist sich der Gefährlichkeit seines Handelns und der Tatsache bewusst, dass er durch die Ausführung einen Schaden bei seinem Gegenüber auslöst bzw. auslösen kann, ohne dabei (notwendigerweise) die Konsequenz des Werkes für das Opfer im Sinn zu haben.
  3. bedingter Vorsatz (lat. dolus eventualis) = Eventualvorsatz: Die Information des Täters wird hier noch mehr auf die Möglichkeit des Taterfolges ausgerichtet sein. Der Täter konnte die Auswirkungen für das Opfer vorhersehen oder ahnen und hat durch die Begehung der Straftat den mit der Tat verbundenen Erfolg wissentlich in Kauf genommen.

Die gesamten vorgenannten Grade, die den Vorsatz bei der Begehung der Straftat beschreiben, können den Vorsatz einer Straftat generell begründen. Eine eindeutige Differenzierung hat sich jedoch im Strafrecht in Bezug auf schwere Unfallverletzungen ergeben: Während der bedingte Vorsatz durchaus ausreicht, um eine schwere Körperverletzung und eine entsprechende strafrechtliche Ahndung festzustellen, kann der unmittelbare Vorsatz – des 1. oder 2. Grades – strafverschärfend in Bezug auf die Tatverursachung wirken.

Hat der Täter also vorsätzlich oder wissentlich (dolus directus 1. oder 2. Grades) auf die schweren Verletzungen seines Gegenübers und damit auf die entsprechende schwere Tatfolge gezielt, wirkt sich dies strafverschärfend auf das anzuwendende Strafmaß aus:

Beachtung
“Verursacht der Täter vorsätzlich sowie wissentlich eine der in Absatz 1 genannten Folgen, so ist die Strafe voraussichtlich Freiheitsstrafe bis zu etwa 36 Monaten.” (§ 226 Abs. 2 des Strafgesetzbuches)
Da der Grundtatbestand der schweren Körperverletzung mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem und 10 Jahren bestraft werden kann, beträgt die niedrigste Freiheitsstrafe bei Vorliegen von unmittelbarem Vorsatz 3 Jahre. Eine Höchststrafe ist nicht festgelegt, so dass aufgrund der Schwere auch die Verhängung einer Freiheitsstrafe von mehr als zehn Jahren möglich sein kann. In einem noch minder schweren Fall kann die verhängte Freiheitsstrafe zwischen einem und 10 Jahren liegen (§ 226 Abs. 3 Satz 2 StGB).

Generell sollte aber in jedem Fall Vorsatz vorliegen, wenn eine Strafe wegen erheblicher Körperverletzung nach dem Strafrecht verhängt werden soll. Fahrlässige Körperverletzung kann jedoch nicht weiter qualifiziert werden, was bedeutet, dass es einen Straftatbestand wie z.B. “fahrlässige schwere Körperverletzung” im Gesetz nicht geben wird.

Allerdings könnte es sich auf das Strafmaß auswirken, wenn die Folge der fahrlässig begangenen Tat als besondere Schwere angesehen wird. Die Strafe für die fahrlässige Körperverletzung nimmt dann den oberen Bereich der in § 229 StGB festgelegten Strafzumessung ein.

Gibt es den Straftatbestand der “schweren Körperverletzung mit Todesfolge”? Grundsätzlich ist es möglich, dass eine schwere Körperverletzung am Ende den Tod des Opfers herbeiführt. Allerdings ist in diesem vollen Fall eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge nach § 227 StGB deutlich wahrscheinlicher, da der Tod durch die Straftat den schweren Schaden überlagert. Allerdings kann die Schwere der Tat für die Strafzumessung von Bedeutung sein.

Versuchte schwere Körperverletzung – Versuchte Strafbarkeit

Ist auch die versuchte schwere Körperverletzung strafbar? Wie hoch ist die Strafe im Gesamtprozess einer nicht vollendeten, aber beabsichtigten Straftat? 226 StGB stellt eine schwere Körperverletzung, die sich noch im Stadium des Versuchs befindet und erfolglos durchgeführt wurde, nicht ausdrücklich unter Strafe. Aber es gibt diesbezüglich eine besondere Regelung in § 23 Abs. StGB, der ebenfalls die versuchte schwere Körperverletzung unter Strafe stellt:

Beachtung
“Der Versuch eines Verbrechens von erheblicher Bedeutung ist stets strafbar, der Versuch einer Ordnungswidrigkeit ist strafbar, soweit die gesetzliche Regelung dies ausdrücklich vorsieht.”

Hier könnte es also um die Einteilung der Delikte in Vergehen und Verbrechen gehen. Doch welche Maßstäbe sind dabei entscheidend? Die Einteilung der Taten des Mannes oder der Frau in die Arten “Vergehen” und “Verbrechen” beruht auf den Definitionen, die in § 12 des Strafgesetzbuches hergestellt werden:

Beachtung
“(1) Verbrechen sind rechtswidrige Handlungen, die mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr bedroht sind.
(2) Ordnungswidrigkeiten sind rechtswidrige Handlungen, die mindestens mit einer geringeren Freiheitsstrafe oder mit einer Geldstrafe bedroht sind.”

Daraus folgt, dass im Strafrecht die verhängte Strafe entscheidend dafür ist, ob eine Handlung ein Vergehen oder vielleicht ein Verbrechen ist. In Anbetracht der Tatsache, dass die Strafe für schwere Körperverletzung mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren festgelegt ist, qualifiziert dies die in § 226 StGB definierte Straftat als Verbrechen.

Daher ist die versuchte Strafbarkeit, die sich an § 23 Abs. 1 StGB orientiert, unabhängig davon gegeben und muss nicht gesondert in den schriftlichen Passagen erwähnt werden – anders als z.B. bei der leichten oder gefährlichen Körperverletzung, die per Definition einfach als Vergehen zu qualifizieren sind.

Auch die versuchte schwere Körperverletzung kann grundsätzlich milder bestraft werden als das vollendete Delikt (§ 23 Abs. 2 StGB).

Hat der Täter tatsächlich nicht erkannt, dass die Ausführung oder Vollendung der Tat mit den von ihm gewählten Mitteln bei objektiver Betrachtungsweise nicht zum Erfolg hätte führen können, steht es den Gerichten im Zweifel sogar frei, von einer Bestrafung des Versuchs abzusehen (§ 23 Abs. 3 StGB).

Gelingt die Tat gerade nicht, kann sich dies strafmildernd auswirken.

Wann ist schwere Körperverletzung verjährt?

Wann verjährt schwere Körperverletzung endgültig? Die Verjährung von Straftaten richtet sich nach den Bestimmungen des § 78 Strafgesetzbuch. Die schwere Körperverletzung fällt unter die Regelung des § 78 Abs. 3 Satz 3 StGB, wonach für Taten, die strafrechtlich mit einer höchstmöglichen Freiheitsstrafe zwischen fünf und zehn Jahren geahndet werden können, eine Verjährungsfrist von zehn Jahren gilt.

Dies bedeutet, dass eine Strafverfolgung noch bis zu 10 Jahre nach Begehung der Straftat erfolgen kann. Die Verjährungsfrist ist einmal abgelaufen, die schwere Körperverletzung kann praktisch nicht mehr verfolgt werden. Eine einmalige Unterbrechung der Verjährungsfrist ist jedoch möglich.

Außerdem kann das Opfer nur in dieser Zeit sehr wohl noch Schmerzensgeld von dem/den Täter(n) verlangen. Doch worauf basieren diese genau?

Muss das Opfer selbst eine solide Anzeige wegen schwerer Körperverletzung erstatten?
Nein. Im Gegensatz zur einfachen und fahrlässigen Körperverletzung muss bei einer entsprechenden Straftat nicht erst eine Klage eingereicht werden. Schwere Körperverletzung ist also kein Antragsdelikt nach § 230 StGB, wird aber bei Bekanntwerden routinemäßig von der Staatsanwaltschaft verfolgt.

Schwere Körperverletzung: Wie viel Schadenersatz könnte dem Opfer zustehen?

Über die strafrechtliche Verfolgung hinaus kann die Forderung nach schwerer Körperverletzung auch weitere Folgen für den Täter haben. Aufgrund der festzustellenden Schwere hat das Opfer natürlich auch Anspruch auf Schmerzensgeld, das es in einem Zivilprozess oder in einem Adhäsionsverfahren geltend machen kann, bei dem dieses Schmerzensgeld ebenso wie der Hauptfall geltend gemacht wird. Doch wie hoch ist das Schmerzensgeld bei einer schweren Körperverletzung?

Zunächst einmal gibt es absolut keine Tabelle auf diesem Formular, die alle Stufen des Schmerzensgeldes auflistet, die ein Opfer mit dieser oder jener Verletzung sagen kann.

Damit verbunden ist nicht zuletzt, dass jeder einzelne Fall und jede Verletzung individuell ist. Für einen Arbeitslosen ist zum Beispiel der zunehmende Verlust eines Daumens noch lebensbedrohlich. Aber ein Leistungserbringer, der aufgrund einer entsprechenden Verletzung seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, muss oft mit weitreichenderen Einschnitten rechnen.

Aus diesem Grund ist es an dieser Stelle nicht möglich, eine feste Summe zu nennen, die dem Opfer als Schmerzensgeld bei einer schweren Körperverletzung zugesprochen werden kann. Grundsätzlich ist aber tatsächlich davon auszugehen, dass das Schmerzensgeld bei schweren Körperverletzungen letztlich höher ausfallen wird als bei anderen, nicht dauerhaften Folgeschäden.

Auch die Reversibilität der Verletzungen spielt eine entscheidende Rolle bei der Ermittlung der Höhe des Schmerzensgeldes. Selbst wenn die Verletzung später ausheilt, kann zumindest der monetäre Schaden auch kritisch sein, wenn das Opfer in dieser Zeit seine beruflichen Tätigkeiten nicht ausüben kann.

Wenn es sich bei der Verletzung zudem um eine vorsätzliche Zufügung einer schweren Körperverletzung handelt – also um einen direkten Vorsatz ersten Grades – kann dies ebenfalls eine große Anpassung nach oben begünstigen, die mit dem Schmerzensgeld verbunden ist.

Besondere Art der schweren Körperverletzung: Verstümmelung der weiblichen Genitalien

Als besondere Art der schweren Körperverletzung wurde im Juli 2021 ein weiteres Delikt explizit in die Strafnorm aufgenommen: die Verstümmelung weiblicher Genitalien (§ 226a StGB). Das ist vor allem ein symbolischer Akt 1, der offensichtlich die Beschneidung von jungen Mädchen und Frauen zur strafbaren Handlung erklärt.

Hintergrund ist, dass insbesondere ethnische Gruppen aus dem afrikanischen Raum und damit verbundene Menschen, die vor Jahren in die BRD eingewandert sind, den traditionell und kulturell begründeten Kult der “Beschneidung” an Mädchen bis heute auch im Bundesgebiet – meist im Verborgenen – praktizieren.

Jenseits von Fotoapparaten ist diese Praktik so gerade für den Jemen weithin nachweisbar. Ähnliche Praktiken werden zwar im Iran, Syrien und anderen Teilen Asiens vermutet, können aber nicht eindeutig verifiziert werden.

Das Wort “Beschneidung” erscheint jedoch allzu verharmlosend. Bei dieser regulären Art der Beschneidung werden die wichtigsten sexuellen Körperorgane der Mädchen so verstümmelt, dass sie ihr Leben lang unter Beschwerden leiden und somit einer nie endenden Tortur ausgesetzt sind. Weder ein normales Sexualleben ist für sie nach der Verstümmelung möglich, noch können normale körperliche Vorgänge ohne Schmerzen ablaufen.

Damit man die Mädchen der Bevölkerungsgruppe unter besonderen Schutz stellen kann, haben die nationale Regierung und Rechtsgelehrte den neuen Paragraphen eingesetzt. An sich wäre die Verstümmelung schon als schwere Körperverletzung zu werten. Aber die besondere erhöhte Exposition dieses Delikts soll ihm eine besondere Strahlkraft verleihen, auch um die Nische zu enttabuisieren und in das Interesse der Gesellschaft zu tragen.

Darüber hinaus soll auch das Selbstbewusstsein der geschädigten Frauen gestärkt werden, die ihre Jugend in Deutschland verbracht haben, sich aber andererseits den brutalen Typen ihrer fremden Wohnländer ausgesetzt sehen. Wenn die “Beschneidung” von vielen als Kulturgut bezeichnet wird, so muss dieses Kulturgut wohl kaum die lang anhaltenden körperlichen Schäden rechtfertigen. Dass Entsprechendes auf dem Staatsgebiet nicht geduldet wird, ist in der Regel offensichtlich aus der Einführung des § 226a in das Strafgesetzbuch zu entnehmen.

Als besonders schwere Art der Körperverletzung ist für den Straftatbestand des § 226a Abs. 1 StGB eine Mindestfreiheitsstrafe von 1 Jahr vorgesehen. Eine Höchststrafe ist gerade nicht festgelegt, so dass Strafen von mehr als zehn Jahren durchaus denkbar erscheinen.

Warum genau ist die Beschneidung von Männern und Jungen nicht strafbar?

Besonders in der jüdischen Tradition ist die Beschneidung von Jungen verankert. Die Brit Mila ist ein bedeutendes Ereignis im Leben eines jeden jüdischen Jungen und seiner Familie. Sie beinhaltet die Entfernung der Vorhaut der männlichen Genitalien ohne reproduktive oder funktionelle Einschränkungen.

Die Suche nach der Einführung des neuesten Paragraphen in die Strafgesetze sorgte für zahlreiche kontroverse Diskussionen, gerade in der großen jüdischen Gemeinde in Deutschland. Zunächst sollte keine geschlechtsspezifische Bezeichnung in den Paragraphen aufgenommen werden, um sicherzustellen, dass die jüdische altmodische Beschneidung auch in Deutschland als schwere Körperverletzung strafbar bleiben würde.

Schließlich einigte man sich mehrheitlich darauf, dass nur die Verstümmelung der weiblichen Genitalien strafbar sein sollte, wenn die jüdische Beschneidung für die Männer nicht mit überfälligen Konsequenzen für das restliche Leben einhergeht und somit nicht mit dem afrikanisch-asiatischen Ritus gleichgesetzt werden kann.