Was ist eine vorsätzliche Körperverletzung?

Das Strafgesetzbuch (StGB) enthält keinen eigenen Abschnitt, der vorsätzliche Körperverletzung kriminalisiert.

Strafen­katalog
vorsätzliche Verstümmelung weiblicher GenitalienFreiheits­strafe zwischen
1 und 15 Jahren
vorsätzliche einfache Körper­verletzungGeldstrafe
oder
Freiheits­strafe bis 5 Jahre
vorsätzliche gefährliche Körper­verletzungFreiheits­strafe zwischen
6 Monaten und 10 Jahren
vorsätzliche schwere Körper­verletzungFreiheits­strafe zwischen
1 und 10 Jahren
vorsätzliche Körper­verletzung mit TodesfolgeFreiheits­strafe zwischen
3 und 15 Jahren
vorsätzliche Misshandlung Schutz­befohlenerFreiheits­strafe zwischen
6 Monaten und 10 Jahren

Stattdessen finden Sie verschiedene Stufen der Körperverletzung, die sich am Vorsatz orientieren und bei denen das vorsätzliche Handeln des Täters als Tatbestandsmerkmal gilt.

In diesem Zusammenhang steht die vorsätzliche Körperverletzung im Gegensatz zur fahrlässigen Körperverletzung. Doch wie sind vorsätzliche und fahrlässige Handlungen gesetzlich genau definiert? Und welche Qualifikationen sind bei der vorsätzlichen Körperverletzung insgesamt sinnvoll?

Dies und mehr sollen Sie in diesem Ratgeber erfahren.

Was ist unter einer vorsätzlichen Körperverletzung zu verstehen? Definition von Vorsatz

Vorsatz steht im Strafrecht im Gegensatz zur Fahrlässigkeit. Während der Täter bei der besonders fahrlässigen Körperverletzung unwissentlich und völlig ungewollt einen anderen Menschen weitgehend verletzt, liegt beim Vorsatz sowohl ein Wissen als auch ein Wollen vor.

Der Täter will wirklich einen anderen Menschen verletzen. Er muss sich über die Folgen nicht im Klaren sein. Jemand, der zuschlägt, rechnet sicher nicht damit, dass das Opfer schwer verletzt wird. Wer aber zuschlägt, kann sich in der Regel bewusst sein, dass er dadurch einen anderen Menschen verletzen könnte. Die Gerichte gehen daher in der Regel davon aus, dass sich der Angeklagte auch der Folgen seines Handelns bewusst gewesen sein muss.

Für den Vorsatz kann aber nicht nur das Wissen um das Ergebnis der Tatausführung von großer Bedeutung sein. Der Vorsatz des Täters bestimmt zusätzlich das vorsätzliche Handeln, d.h. der Täter hat auch die Absicht, sein Gegenüber in irgendeiner Weise real zu verletzen oder ihm sonst einen Schaden zuzufügen.

Eine vorsätzliche Körperverletzung ist also eine Straftat, die vorsätzlich und wissentlich begangen wird.

Die Stufen des Vorsatzes
Generell kann man drei verschiedene Stufen des Vorsatzes unterscheiden:

  • Vorsatz = Der Täter hatte den zielgerichteten Willen, das Opfer zu verletzen und zu bearbeiten.
  • direkter Vorsatz = Der Täter handelt wissentlich und ist sich der möglichen Folgen bewusst, muss aber nicht unbedingt das Endergebnis der ausgeführten Tat im Sinn haben.
  • bedingter Vorsatz= Der bedingte Vorsatz liegt jedenfalls dann vor, wenn der Täter das Endergebnis seiner Tat zumindest für möglich gehalten oder erkannt hat.

Im Allgemeinen kann der tatsächlich bedingte Vorsatz im Strafrecht eine vorsätzliche Tatbegehung begründen.

Versuchte Strafbarkeit wegen vorsätzlicher Körperverletzung

Seit 1975 ist nicht nur eine vollendete vorsätzliche Körperverletzung strafbar: Manchmal reicht auch eine versuchte Körperverletzung aus, um strafrechtliche Konsequenzen herbeizuführen. Voraussetzung für die Anerkennung eines Vergehens oder eines Verbrechens, das bei einem Versuch geblieben ist, ist die zwangsläufige Annahme von Vorsatz. Aus diesem guten Grund dürfte es den Tatbestand der versuchten fahrlässigen Körperverletzung nicht geben.

Bei den verschiedenen Arten eines Vorsatzverbrechens kann alternativ der Versuch bestraft werden. Dies ist in den Paragraphen zu den einzelnen Körperverletzungen klar definiert. Die einzige Ausnahme ist die schwere Körperverletzung. Da diese nach der Systematik ein Verbrechen ist, das mit einer bloßen Mindestfreiheitsstrafe von nur einem Jahr bestraft wird, muss der Versuch im Gesetzestext nicht gesondert bestraft werden. Vielmehr bezieht es sich auf Verbrechen, dass der Versuch in der Regel immer strafbar ist:

Beachtung
“Der Versuch eines bedeutenden Verbrechens ist stets strafbar, der Versuch eines Vergehens nur dann, wenn die Gesetze dies ausdrücklich so vorsehen.” (§ 23(1) StGB)

Eine versuchte vorsätzliche Körperverletzung kann in der Regel mit geringeren Strafen geahndet werden als ein entsprechendes vollendetes Delikt. Ein Versuch kann aber auch nur dann in Betracht kommen, wenn der Täter gerade einen Vorsatz zur Begehung der Straftat gezeigt hat.

Welche Qualifikationen der vorsätzlichen Körperverletzung sind möglich?

Jede im Strafrecht bekannte Körperverletzung – neben der fahrlässigen Körperverletzung nach § 229 StGB – ist an den zusätzlichen Aspekt des Vorsatzes geknüpft. Liegt kein Vorsatz vor, so ist im Umkehrschluss zwangsläufig Fahrlässigkeit zu prüfen, da die Grundlage für das Delikt gerade nicht gegeben ist. Somit kommt nur eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung in Betracht.

Bei der fahrlässigen Körperverletzung sind weitere Einschränkungen nicht möglich. Liegt Fahrlässigkeit vor, kann in der Regel nur eine Verurteilung nach § 229 StGB in Betracht kommen. Klassifizierungen wie z.B. “fahrlässige schwere Körperverletzung” oder “fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge” gibt es in deutschen Strafvorschriften nicht. Im letzteren Fall würde das Gericht lieber von fahrlässiger Tötung (§ 222 StGB) sprechen.

Bei der vorsätzlichen Körperverletzung kommt es demnach darauf an, dass der Vorsatz nachweisbar ist. Damit ist aber in der Regel noch nicht viel erreicht, wenn abgesehen von § 229 StGB der Vorsatz ständig nachgewiesen werden kann. Folglich sind die folgenden Arten der Körperverletzung immer vorsätzliche Taten:

  • (einfache oder auch leichte) Körperverletzung nach § 223 StGB
  • gefährliche Körperverletzung nach § 224 StGB
  • Misshandlung von Schutzbefohlenen nach § 225 StGB
  • Schwere Körperverletzung nach § 226 StGB
  • Verstümmelung weiblicher Genitalien nach § 226a StGB
  • Körperverletzung mit Todesfolge im Sinne des § 227 StGB
  • Teilnahme an einer handfesten Schlägerei § 231 StGB

Die vorsätzliche (leichte oder einfache) Körperverletzung

Wenn in einem Strafbefehl oder einem Strafantrag wegen vorsätzlicher Körperverletzung keine weitere Einstufung vorgenommen wurde, handelt es sich also um eine vorsätzliche leichte Körperverletzung nach § 223 StGB. Dies kann ein sogenanntes Grunddelikt sein. Dies bedeutet, dass alle weiteren Qualifikationen der Körperverletzung in § 223 StGB darauf beruhen.

Das wesentliche Tatbestandsmerkmal der Körperverletzung ist also die körperliche Misshandlung oder die Beeinträchtigung der Gesundheit eines anderen. Als Misshandlung können demnach Handlungen angesehen werden, die eine unmittelbare körperliche Einwirkung beinhalten. Dies ist z.B. eine Ohrfeige im Gesichtsbereich. Eine schwerwiegende körperliche Verletzung muss jedoch nicht die totale Herbeiführung sein, um strafrechtlich behandelt zu werden.

Eine seelische Misshandlung kann nur dann als Körperverletzung angesehen werden, wenn die Einwirkung auf die Psyche des Opfers auch körperliche Auswirkungen hat, wie z.B. Schlaflosigkeit durch erhöhte Angst oder einen ausgelösten Schock.

Unter einer schlimmen gesundheitlichen Auswirkung versteht man hingegen eine tatsächliche körperliche oder seelische Beeinträchtigung, die in der Regel mit einem Heilungsprozess verbunden ist. Dazu gehören Knochenbrüche, Prellungen und ein ausgeschlagener Zahn.

Schmerzen hingegen gelten nicht als Indikation, die unbedingt vorhanden sein müssen, damit eine vorsätzliche einfache Körperverletzung vorliegt.

Grundsätzlich sollte eine einfache Körperverletzung ohne Waffen oder gesundheitsschädliche Stoffe vollzogen werden. Auch sollten die Auswirkungen der Verletzung für das Opfer nicht erheblich sein, andernfalls kann auch eine Verurteilung wegen schwerer oder gefährlicher Körperverletzung erfolgen. Ebenso sollte keine tatsächliche Bedrohung der Lebensführung des Opfers vorliegen.

Vorsätzliche Körperverletzung als Software-Delikt

Beim Gesamtfall der Körperverletzung nach § 223 oder § 229 StGB handelt es sich immer um ein sogenanntes Programmdelikt. Das bedeutet, dass eine strafrechtliche Ahndung nur möglich ist, wenn das Opfer oder ein Erziehungsberechtigter einen entsprechenden Strafantrag stellt. Geschieht dies nicht, kommt es nicht zu einer automatisierten Strafanzeige durch die Staatsanwaltschaft.

Wie hoch ist das Strafmaß bei vorsätzlicher leichter Körperverletzung?

Das Strafmaß für vorsätzliche leichte Körperverletzung reicht von einer hohen bis zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe. Die Strafe für vorsätzliche leichte Körperverletzung variiert in jedem Einzelfall. 223 Abs. 1 StGB gibt also lediglich den gesetzlichen Strafrahmen vor, innerhalb dessen die Gerichte die Ermessensstrafe finden müssen.

Die vorsätzliche gefährliche Körperverletzung

Aufbauend auf der Regelung des § 223 StGB wird die vorsätzliche gefährliche Körperverletzung allgemein durch diese zusätzlichen Tatbestandsmerkmale gekennzeichnet (§ 224 Abs. 1 StGB):

  1. Vorsätzliche Zufügung von Giften und verschiedenen gesundheitsschädlichen Stoffen: Einschließlich Alkohol oder Salz in gesundheitsschädigendem Ausmaß oder Krankheitserregern.
  2. Verwendung einer Waffe oder eines einfach gefährlichen Werkzeugs: Dazu gehören neben Schusswaffen auch Hieb- und Stichwaffen, Schuhe, Baseballschläger, Steine u. a.
  3. Arglosigkeit: Wenn das Opfer ahnungslos ist und von einem Täter von hinten angegriffen wird, könnte die Gefährlichkeit der Tat festgestellt werden.
  4. Begehung einer Handlung unter Beteiligung eines anderen: Im Strafrecht wird damit in der Regel mindestens ein weiterer Täter ausgezeichnet, der die Tat aber nicht selbst ausführen muss, sondern nur unter Mitbenutzung des Täters anstiften kann.
  5. Lebensgefährdende Behandlung: Ist die Handlung potentiell lebensgefährlich, wird eine Körperverletzung nach § 224 StGB anerkannt.

Sonderfall: Misshandlung von Schutzbefohlenen (§ 226a StGB)

Als Sonderfall der gefährlichen Körperverletzung kann die Misshandlung von geschützten Personen nach § 225 angesehen werden. Während zu Beginn des Reichsstrafgesetzbuches meist nur gebrechliche und kranke Menschen als Schutzbefohlene definiert wurden, umfasst dies nun – nicht zuletzt aufgrund der diversen Missbrauchsfälle der letzten Jahrzehnte – auch Kinder.

Da die Misshandlung oder Verletzung der Gesundheit von Schutzbefohlenen in der Regel unter § 223 StGB zu subsumieren wäre, sollte die neueste Definition vor allem dem heimtückischen Charakter des Delikts Rechnung tragen. Seitdem kann die von den Tätern bis zu einem gewissen Grad ausgenutzte Wehrlosigkeit der Opfer trotz des Fehlens von Waffen, Giften oder verschiedenen Merkmalen einer drohenden Körperverletzung dennoch strafrechtlich angemessen behandelt werden.

Wie hoch ist die Strafe für vorsätzliche gefährliche Körperverletzung?

Der Strafrahmen für vorsätzliche gefährliche Körperverletzung reicht von 6 Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug. In einem besonders schweren Fall wird sie auf 90 Tage bis 5 Jahre reduziert. Ein ausgezeichneter Fall ist nicht viel länger zu verhängen. Auch Straftaten nach § 225 sind mit entsprechenden strafrechtlichen Sanktionen bedroht.

Die vorsätzliche schwere Körperverletzung

Wie bereits erwähnt, ist die schwere Körperverletzung per gesetzlicher Definition ein Straftatbestand. Daher werden ein Jahr oder vielleicht mehr Straftaten definiert, wenn die bloße Mindestdauer der Freiheitsstrafe ein Individuum ist. In weiterer Steigerung gegenüber der gefährlichen und einfachen Körperverletzung ist die schwere Art nach § 226 in der Regel dann anzunehmen, wenn das Opfer durch die Tat einen dauerhaften Schaden erleidet. Dies kennzeichnet insbesondere (§ 226 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 StGB):

  1. Verlust des Sehvermögens (auf einem oder beiden Augen)
  2. Verlust des Hörvermögens
  3. Verlust der Möglichkeit zu sprechen
  4. Verlust der Möglichkeit zur Fortpflanzung
  5. Verlust einer wesentlichen Gliedmaße (Amputation oder sonstige Funktionsbeeinträchtigung)
  6. Erhebliche Verunstaltung
  7. Lähmung
  8. geistige Behinderung oder Krankheit
  9. Gebrechen

Der (bedingte) Vorsatz bei einer schweren Körperverletzung

Eine Besonderheit gibt es jedoch in den gesetzlichen Bestimmungen bei der Körperverletzung: Der Vorsatz wird in besonderer Weise erwähnt.

Beachtung
“Verursacht der Täter vorsätzlich oder sonst wissentlich eine der […] genannten Folgen, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter 36 Monaten.” (§ 226 Abs. 2 StGB)

Um erschwerende Folgen herbeizuführen, muss die Begehung der Tat tatsächlich auf die kritischen Spätfolgen gerichtet sein. Bietet ein Täter beispielsweise einen Tritt gegen den Kopf seines Opfers an, ohne zusätzlich darauf abzuzielen, dass das Opfer durch einen seiner Tritte so schwer verletzt wird, dass es eine kognitive Beeinträchtigung erleidet, kann theoretisch nicht angenommen werden, dass der Angeklagte zunächst auch tatsächlich auf diese Spätfolge abzielte.

Es kann aber sogar angenommen werden, dass der Täter gerade oder bedingt gewusst haben kann oder muss, dass Tritte gegen den Kopf solche Schäden verursachen können. Allerdings nur, wenn ein bedingter Vorsatz nachgewiesen werden kann, was in der Regel nicht ausreicht. Während bei anderen Delikten manchmal ein bedingter Vorsatz ausreicht, um eine vorsätzliche Handlung in vollem Umfang zu beweisen, muss bei der vorsätzlichen schweren Körperverletzung dem Täter ein bedingter Vorsatz bzw. ein einseitiger Vorsatz nachgewiesen werden.

Der Vorsatz wiegt bei einer schweren Körperverletzung besonders schwer. Hat der Täter die schweren Folgen für das Opfer in dieser oder einer entsprechenden Webform definitiv beabsichtigt oder wissentlich erkannt, liegt eine vorsätzliche schwere Körperverletzung vor.

Hat der Täter dagegen “nur” eine erhebliche gefährliche oder einfache Körperverletzung beabsichtigt und vorsätzlich begangen, die aber die in § 226 StGB aufgeführten schweren Folgen auslöst, könnte zumeist ein Eventualvorsatz anerkannt werden, der sich aber nicht besonders strafverschärfend auswirkt. Dennoch kann der Angeklagte in beiden Vollfällen wegen schwerer Körperverletzung verurteilt werden.

Wie hoch ist das Strafmaß für vorsätzliche schwere Körperverletzung?

In der Regel liegt das Strafmaß für schwere Körperverletzung zwischen einem und zehn Jahren Freiheitsentzug. Wenn jedoch (eins zu eins) Vorsatz vor § 226 Abs. 2 StGB nachgewiesen werden konnte, liegt der Strafrahmen bei mindestens drei Jahren Freiheitsentzug. Diese könnte dann nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden, da dies bei Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren einfach möglich ist.

Vorsätzliche Körperverletzung: Schmerzensgeld einfordern

Während einer Körperverletzung steht es dem Opfer frei, auch zivilrechtliche Ansprüche geltend zu machen. Die Ansprüche können entweder in einem Einzelverfahren oder zusammen mit dem primären Strafverfahren (Adhäsionsverfahren) angehört werden.

Die Höhe des Schmerzensgeldes richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall. Feste Summen gibt es dabei nicht. Generell geht man aber davon aus, dass die Beträge, die der Täter an das Opfer abdrücken muss, je nach Grad der Gesundheitsschädigung oder Misshandlung nach oben anzupassen sind. Auch Vorsatz und Fahrlässigkeit können einen Einfluss auf die Höhe des Schadensersatzes haben.